
Am Abend des 62. Trächtigkeitstages merkte man Lilly nur geringfügig an, dass die ersten Wehen in den
nächsten Stunden beginnen sollten.
Ihre Atmung war etwas schwerer geworden, das Hecheln hatte immer häufiger
eingesetzt und ab und zu hatte Lilly völlig abwesend gewirkt, ganz und gar konzentriert auf die bevorstehende Geburt.
Am Nachmittag war ihre Körpertemperatur abgesunken. Jedoch nicht so tief, wie es eigentlich lehrbuchmäßig sein
sollte. Die Spannung stieg, doch die nächste Nacht verlief noch einmal ohne Vorkommnisse.
Am Mittwoch, der 63. Trächtigkeitstag, beobachteten wir Lilly ein wenig erstaunt beim morgendlichen Fressen.
Da Futterverweigerung ein deutliches Zeichen für die bevorstehende Geburt ist, waren wir beinahe schon etwas
enttäuscht, als sie ihren Napf zwar langsam aber konsequent mit großem Hunger gänzlich leerte.
Anschließend begab ich mich mit Lilly in mein Arbeitszimmer, welches alle Jahre wieder zum Wurfzimmer umfunktioniert
wurde, da sich nun doch gewisse Anzeichen zeigten, dass etwas im Busche war. Von meinen anderen Hündinnen kenne ich
es so, dass sie in der ganzen Eröffnungsphase fast ununterbrochen hecheln. Allerdings war auch dies bei Lilly anders.
Sie ging völlig in sich und bereitete sich auf ihre Art auf die Geburt vor. Meistens hatte ich den Eindruck, dass
sie mich gar nicht mehr wahrnahm. Lilly war ganz weit weg, in gewisser Weise wie in Trance.
Bei unseren häufigen kleinen Spaziergängen, um die Geburt in Gang zu bringen, bewegte sie sich schon sehr träge.

Im Garten verschwand sie sofort in einer Ecke hinter den Büschen und buddelte sich ein tiefes Loch.
Zurück im Wurfzimmer lag sie total entspannt auf dem Rücken in ihrem Ridgipad und döste vor sich hin.

Auch das angebotene Futter verspeiste sie mittags noch genüsslich. Ab 13 Uhr begann Lilly, immer wieder durch
kleinere Pausen unterbrochen, zu hecheln. Zu meiner Überraschung ließ sie sich aber ihre Abendmahlzeit noch mal
richtig schmecken. Die Lehrbuchregel zu einer Hundegeburt hatte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso schon lange
über den Haufen geworfen.
Gegen 21 Uhr war Lilly dann schließlich so ruhig, dass ich entschied, mit ihr hoch in unser Wohnzimmer zu gehen, da
ich das trügerische Gefühl hatte, uns stände eine weitere ereignislose Nacht bevor.
Trotz allem stand für den plötzlichen Fall der Fälle im Schlafzimmer auch eine Wurfkiste neben meinem Bett.
Lilly fing allerdings schon nach einigen Minuten stärker an zu hecheln, was mich dazu veranlasste abermals mit ihr
ins Arbeits-/Wurfzimmer umzuziehen.
Kurze Zeit später, um kurz nach 22 Uhr, schien es mir, als hätte Lilly mit dem Pressen begonnen. Und tatsächlich, die Presswehen
setzten endlich ein. Ich konnte es beinahe gar nicht glauben, wie schnell nun doch der Übergang zur Geburt kam.
Überhaupt nicht panisch und seelenruhig gebar Lilly um kurz vor Mitternacht ihren ersten Welpen,

eine kleine Hündin mit einem Geburtsgewicht von 435g.
Weitere 30 Minuten später leuchtete uns eine kleine (schon) schwarze Nase entgegen.
Diese gehörte zu einem kleinen Rüden mit einem Gewicht von 421g, und wieder eine knappe halbe Stunde später kam der zweite Rüde mit einem Gewicht von 562g.
Desweiteren folgten jeweils im Abstand von 23 Minuten, 20 Minuten, 40 Minuten, 20 Minuten und 45 Minuten noch fünf kleine Hündinnen
mit Geburtsgewichten von 408g, 441g, 437g, 503g und 452g. Auch hier gab es zwei kleine Hündinnen mit schwarzen Näschen.
Puh geschafft ...
Gegen 04.30 Uhr konnten sich alle Beteiligten endlich eine kleine und verdiente Ruhepause gönnen.
Das war die Geburt unseres P-Wurfes, von 2 Prinzen und 6 Prinzessinnen. Für Lilly war es der 1. Wurf und wir
sind glücklich darüber wie souverän und instinktsicher sie diese Geburt gemeistert hat.
Da Lilly noch einige Stunden weiter Presswehen hatte, fuhren wir am nächsten Morgen vorsichtshalber zum Röntgen,
um sicher zu sein, dass sich kein weiterer Welpe mehr in Lilly befand.
Gott sei Dank war aber alles in Ordnung und wir freuen uns nun auf hoffentlich acht sorgenfreie Wochen mit den kleinen Welpen.